Das akustische Hologramm

Lassen sie mich einleitend etwas sagen:

Unserer Erfahrung nach sind – zumindest in Deutschland – vermutlich 50% aller jugendlichen & erwachsenen Menschen akustisch desorientiert. Das bedeutet: Die akustische Orientierung im Raum funktioniert nur noch mehr oder weniger eingeschränkt. (Ein paar Worte dazu habe ich in meinem Blog „AudioNatur“ geschrieben).

Eine Folge davon ist, daß manche Dinge, die ich im Folgenden beschreiben werde, für viele Menschen nicht auf Anhieb wahrnehmbar sind. Ich selber konnte am Anfang, als ich mich mit omnidirektionalen Lautsprechern (= „OMni’s“) beschäftigte, weder vor mir und noch weniger vor anderen zugeben, daß ich bestimmte Dinge nicht gehört habe; „das kann doch nicht sein; bin ich nicht Musiker !?!“
Das war 2008/09, als ich zum ersten Mal mit den Naturschall-Lautsprechern NSW’s / omnidirektionalen Lautsprechern in Berührung kam.
Aber seither hat sich mein Gehör immer mehr verfeinert und meine akustische Orientierung ist wieder hergestellt. Und wenn ich mal aus der akustischen (und inneren) Balance falle, brauche ich mich nur 5 Minuten zwischen meine OMni’s setzen, und ich bin wieder „eingeNORDet“ – mein innerer, akustischer Kompaß stimmt wieder.

Der „holografische Raum“, was ist das?

Mit akustisch holografischem Raum ist in der Reproduktion/Wiedergabe die Abbildung des natürlichen akustischen Raumes mitsamt aller im Raum erklingenden Schallquellen (Instrumente, Geräusche etc.) gemeint, die während einer Aufnahme von einem Konzert  oder sonstigen akustischen Ereignisses bestand (oder nachträglich erzeugt werden soll). In der Fachterminologie spricht man auch von „Phantomschallquellen“ und deren präzisen Lokalisierung im Raum, welche losgelöst von den wiedergebenden Lautsprechern erfolgt.

Der Begriff selbst ist aus der Optik lediglich entlehnt und in der Akustik kein allgemein anerkannter und definierter Begriff, wird aber immer mehr verwendet.

Bisher ist es so, daß durch die stereophone Wiedergabe über normale Direktstrahler eine mehr oder weniger präzise Positionierung von Instrumenten und anderen Schallquellen zwischen rechtem und linkem Lautsprecher möglich ist. Dies geht jedoch nur, wenn man genau im StereoDreieck der Lautsprecher sitzt und wenn die Lautsprecher wirklich sehr gut sind. Zusätzlich kann hier durch den Hall und andere Audio-Einstellungen auch eine moderate Staffelung von Schallquellen in der Tiefe realisiert werden.

Bei guten omnidirektionalen Lautsprechern geschieht darüber hinaus eine Staffelung in der Höhe, welche man so bei Direktstrahlern gar nicht kennt. Die Bühne wird außerdem breiter und ragt über den Standort der Lautsprecher hinaus. Dadurch wird die präzise Positionierung aller Schallquellen noch transparenter und deutlicher. Außerdem funktioniert die Tiefenstaffelung auch besser. UND man ist nicht an einen einzigen Sweet-Spot gefesselt, wie bei den üblichen Direktional-Strahlern (siehe ins „Zur Aufstellung von Omnis und die eigene Hörposition“)

Somit haben wir einen akustisch dreidimensionalen Raum, erzeugt durch zwei Lautsprecher.
Voraussetzung ist aber auch hier, daß der Tonmeister / TonIngenieur sein Handwerk wirklich beherrscht und eine entsprechend gute Aufnahme und  Abmischung vorliegt!

Hierbei definiert die Anordnung der Lautsprecher die Bühne bzw. den holografischen Raum. Das Normale ist, daß bei Direktstrahlern der akustische Raum rechts und links durch die Lautsprecher begrenzt ist. Das Besondere bei OMni’s hingegen ist, daß der holografische Raum klar über den rechten und linken Rand der Lautsprecher hinaus ragt; die „Bühne“ wird noch mal viel größer als bisher gewohnt.

Ein Weiteres, was es so bei Wiedergabe durch Direktstrahler nicht gibt:
Wenn ich weiter nach rechts bzw. links gehe, dann höre ich eben die Stimmen & Instrumente stärker, die rechts bzw. links stehen – was ja life genau so ist. Aber ich höre noch immer alle anderen Stimmen & Instrumente.
Indem ich mich von den Lautsprechern entferne, entferne ich mich quasi von der Bühne. Aber immer noch kann ich die Positionierung der Instrumente genau wahrnehmen und beschreiben, sie werden aber etwas diffuser und eben entfernter – wie bei einem Lifekonzert auch.
Wenn ich nun aber ganz nahe komme und mich sogar genau zwischen die omnidirektionalen Lautsprecher setze, dann ist es, als wäre ich mit  auf der Bühne. Und die Hauptstimme(n), die mittig auf der Bühne steht, erklingt direkt über bzw. knapp hinter mir.

Und manchmal höre ich diese Hauptstimme(n) sogar in mir, so als würde ich selber singen bzw. spielen.

Diesen letztgenannten Effekt konnte ich zum ersten Mal bei meiner „Soulmate“ Q21 wahrnehmen. Das hängt mit Dingen zusammen, die ich noch genauer erforschen will & muß. Ich weiß aber, wie ich diesen Effekt jederzeit reproduzieren kann.
Nun, das ist für mich eine äußerst spannende und aufregende Angelegenheit. Ich werde weiter darüber berichten.

Nachsatz:

Ich spreche hier von der stereophonen Reproduktion bzw. Wiedergabe. Wenn durch Quadrophone, 5.1 und andere Surroundsysteme etc. weitere Lautsprecher dazu kommen, dann dehnt sich der Raum, in welchem die Positionierung von Instrumenten möglich ist, in einem Maße aus, wie dies mit nur einem StereoPaar von Lautsprechern nicht möglich ist. Und dies noch mal mehr, wenn hierbei OMni’s zum Einsatz kommen.

Ja, diese Ausdehnung geschieht sogar, wenn man statt einem einzigen Stereo-Paar von OMni’s im Rechteck zwei StereoPaare aufstellt.

Danke & viel Freude
– jederzeit –

J.A.

 

Als Ergänzung zu diesem Blog könnte für Sie der Info-Blog „Aufstellung der Omnis“ interessant sein, aber auch andere Info-Blogs.