AudioNatur

Unnatürliche Aufnahmen,
heute leider die Norm,
haben negative Auswirkungen

Wir können mit unserem Körper zu einer bestimmten Zeit immer nur an einem  Ort sein. In der Musik mischt man heute aber meistens so ab, als würde man zur selben Zeit an zwei, drei und mehr Orten sein – z.B. gleichzeitig in einem Konzertsaal und im Freien. Dies geschieht u.a. dadurch, daß man gleich­zeitig mehrere Hall-Effekte verwendet.

Zum Verständnis: Jeder Raum hat einen ganz spezifischen NachHall. Dieser Nachhall gibt uns Informationen, wie groß der Raum ist, wie er beschaffen ist – besonders die Wände -, wo darin wir uns selber befinden usw.

Diese ganz speziellen NachHall-Situationen können heute per Computer (mehr oder weniger gut) simuliert & nachgebildet werden. Diese in der Studioproduktion verwendeten Hall-Effekte klingen zwar irgendwie phantastisch & toll. Soweit so gut. Tatsache jedoch ist, daß heut insbesonders in der gesamten Unterhaltungs-Musik oft mehrere unterschiedliche Hall-Effekte gleichzeitig(!) eingesetzt werden. Das aber stiftet Verwirrung und wir verlieren dabei zunehmend unsere Orientierung.

Mal so eine Produktion zu hören ist nicht weiter schlimm. Aber dadurch, daß das heute in der Musikproduktion das Normale ist, hat das m.E. tiefgreifende Auswirkungen. Die Folgen davon sind nicht nur eine überall zunehmende Schwerhörigkeit sowie Tinnitus und Abstumpfungen im akustischen Bereich. Schwerwiegender ist, daß wir unsere SelbstZentrierung verlieren und wir aus unserer eigenen Mitte fallen.

Der Verlust unserer eigenen Mitte äußert sich in einer subtilen bis hin zu tiefgreifenden Selbstunsicherheit, sich keine eigenständige & stabile Meinung bilden zu können. Unentschlossenheit, emotionaler Labilität, Nervosität, Neigung zu Depression, Unlust & Mangel an Antrieb, aber auch Aggressivität & Entfremdung sind mögliche Folge davon; und natürlich eine große Beeinflußbarkeit und viel leichtere Manipulierbarkeit durch die Medien, Politiker und andere.
Mit dem Aus-der-Mitte-Fallen geht gleichzeitig einher, daß die Kommunikation mit anderen immer flacher wird und emotionell-seelische Tiefen immer weniger berührt werden.

Dies sind Entdeckungen und Erkenntnisse, die mit meiner Arbeit als Chef-Entwickler der OMni’s „Eternita“ einher gingen. Dazu kommen meine konkreten Erfahrungen bei Beschallungen von Konzerten, Anwendungen der Eternita im Tonstudio sowie bei Ärzten & Heilpraktikern. Besonders letztere berichten wiederholt von spontanen Verbesserungen von Schwerhörigkeiten bei KlientInnen, wenn diese über gute OMNIdirektionale Lautsprecher entsprechend gut aufgenommene & produzierte Musik – also audio-natürliche Musik – hörten.

Ich selber bin im Lauf der Zeit, seit ich mit OMni’s arbeite, gewissermaßen immer »hellhöriger« geworden. Das hat bei mir allerdings auch zur Folge, daß ich mit zunehmendem Tinnitus reagiere bzw. daß mir die Ohren buchstäblich zu gehen, wenn ich längere Zeit Musik höre, die mit mehreren Hall-Effekten überlagert ist. Das passiert mir auch bei meinem eigenen, genialen Keyboard, das ich sehr liebe, wenn ich nicht aufpasse. Anders rum gehen meine Ohren aber binnen Minuten auf, wenn ich über gute OMni’s audio-natürliche Musik höre.

Natürlich achte ich daher bei allen meinen Produktion (z.B. bei meinem Album „Hallo Erde!“) sowie bei meiner Arbeit als Tontechniker sehr darauf, daß in jedem Moment alle gleichzeitig hörbaren Stimmen & Instrumente immer in ein und demselben (virtuellen) Raum erklingen. Ich nenne das „audio-natürlich“ bzw. gemäß den Prinzipien der Audio-Natur.

Das gilt auch für Lifekonzerte. Und alleine in den letzten 12 Monaten habe ich ca. 30 Konzerte mit OMni’s beschallt und selber abgemischt. Auch da achte ich inzwischen penibel auf die korrekte Audio-Natur der InstrumentenWiedergabe & Beschallung – soweit ich das kann. Denn üblich ist leider, daß Gitarristen, Keyboarder, Drums usw. je ihre eigenen Hallgeräte & Halltypen verwenden, und z.B. Keyboarder & Gitarristen oft mehrere gleichzeitig. Dazu kommt dann der Hall für die Gesangsstimmen & InstrumentenMikrofone plus ein zusätzlicher Reverb auf den Gesamtmix. Das gibt dann in der Summe einen mehr oder weniger nervtötenden KlangBrei, der immer weniger tiefe Freude macht.

Alte Klassik-Aufnahmen und auch manche alten Pop- & Jazz-Aufnahmen sind demgegenüber oft deswegen so schön und wohltuend, weil die „alten Tonmeister“ zumeist penibel auf solche Dinge geachtet haben und weil es zugleich noch nicht diese Fülle von Effekten gab, die einen verführt hätten – z.B. einen guten Plattenhall, und das war’s.

Audio-natürlich zu musizieren & produzieren bedeutet nun, daß man sehr wohl verschiedene Hall-Typen verwenden darf und auch, daß sich ein Hall-Typ während eines Songs verändern kann. Denn, wenn ich z.B. von einem Raum in einen anderen gehe – z.B. vom Wohnzimmer ins Bad -, verändert sich ja auch der Hall-Typ und das manchmal sehr gravierend.
Und es kann auch sein, daß man z.B. ein Gehupe von der Straße draußen hört – und das „trägt“ natürlich den Hall genau dieser Straße mit sich.

Audio-natürlich zu musizieren & produzieren bedeutet – etwas vereinfachend:
In jedem Moment sich hinsichtlich aller Stimmen, Instrumente, Geräusche etc. bewußt zu sein, in welchen gemeinsamen oder nicht gemeinsamen Raum sie erklingen und entsprechend bewußt den Hall zu gestalten – also im schlichtesten Fall, alles immer in ein und demselben (virtuellen) Raum erklingen zu lassen. Das ist eines der Prinzipien der Audio-Natur und erstmal das Wichtigste.

Danke für die Aufmerksamkeit

                J.A.

Fußnote:

Mit „Hall“ sind hier sämtliche Reverbs, Delays, Echos, Ambient-Effekte und derartiges gemeint.